
Wo Berge auf Geschichte treffen
Von den UNESCO-geschützten Hängen der Golija bis zu den ruhigen Ufern des Raška-Flusses ist Novi Pazar das Tor zur unberührten Wildnis des Balkans.
Foto: Novi Pazar in seinem Becken, ringsum von Hügeln umschlossen
Umgeben von der Golija, der Rogozna und der Hochebene von Pešter, liegt Novi Pazar in einem Becken, aus dem in jede Richtung Berge aufsteigen — mit Thermalquellen, Flusstälern und Grün mitten in der Stadt.
Golija
Der waldreichste Berg Südwestserbiens und das erste UNESCO-Biosphärenreservat des Landes.

Auf einen Blick
- Höchster Gipfel
- Jankov Kamen, 1.833 m
- Fläche
- Etwa 750 km²; der Naturpark umfasst 751,83 km²
- Schutz
- Biosphärenreservat „Golija-Studenica“, UNESCO MAB, September 2001
- Wasser
- Über 250 Quellen und vier Seen
- Pflanzenwelt
- 1.091 Arten — etwa ein Viertel der Flora Serbiens
- Tierwelt
- 95 Vogel- und 22 Säugetierarten
Ein Berg zwischen Ivanjica und Novi Pazar
Golija erstreckt sich über rund 750 Quadratkilometer zwischen Ivanjica und Novi Pazar und gehört zum Dinarischen Gebirge. Sie zieht sich etwa dreißig Kilometer von Nord nach Süd in einem flachen C, höchster Gipfel ist der Jankov Kamen mit 1.833 Metern. Der Name erinnert an Sibinjanin Janko — den Liedernamen des ungarischen Feldherrn Johann Hunyadi —, der auf dem Gipfel einen Stein als Zeichen hinterlassen haben soll.
Im September 2001 wurde der Berg als Biosphärenreservat „Golija-Studenica“ eingetragen — das erste Serbiens im UNESCO-Programm Der Mensch und die Biosphäre. Über 250 Quellen entspringen hier, darunter die der Moravica und der Studenica.
Was dort wächst und wer dort lebt
Im Park sind 1.091 Pflanzenarten verzeichnet, darunter 117 Algen- und 40 Moosarten — etwa ein Viertel der gesamten Flora Serbiens auf einem einzigen Berg. An Tieren wurden 95 Vogel- und 22 Säugetierarten erfasst.
Auf dem Berg liegen zudem vier Seen — die Košanin-Seen, der Dajićko-See und Nebeska Suza — sowie die Einsiedeleien des heiligen Sava aus dem 13. Jahrhundert. Am Nordrand des Reservats, außerhalb der Gemeinde Novi Pazar, steht das Kloster Studenica von 1196, seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe.
Praktische Hinweise
- Beste Zeit
- Spätfrühling bis Herbst zum Wandern; im Winter ist der Zugang zu den höheren Lagen erschwert, oberhalb von 1.300 Metern sind die Winter streng.
- Entfernung
- Der Berg beginnt nördlich von Novi Pazar; die höheren Lagen erreicht man mit dem Auto und dann zu Fuß.
Rogozna
Der Berg, der das Becken von Novi Pazar im Süden abschließt — näher als die Golija und weit stiller.

Auf einen Blick
- Höchster Gipfel
- Crni Vrh, 1.504 m
- Lage
- Südöstlich von Novi Pazar
Der Kamm, den man aus der Stadt sieht
Die Rogozna erhebt sich südöstlich von Novi Pazar, auf dem Zug zum Ibar hin. Höchster Punkt ist der Crni Vrh mit 1.504 Metern — rund dreihundertdreißig Meter niedriger als die Golija, aber viel näher an der Stadt: Es ist das Massiv, das man von jedem Aussichtspunkt über Novi Pazar sieht.
Anders als die Golija hat die Rogozna keinen Reservatsstatus und keine entsprechende touristische Infrastruktur. Der Zugang führt über Dorfstraßen, ohne markierte Wege oder ausgeschilderte Aussichtspunkte — eine Tour plant man daher vorher und möglichst mit jemandem, der das Gelände kennt.
Praktische Hinweise
- Beste Zeit
- Mai bis Oktober; außerhalb der Saison sind die Straßen zu den Dörfern oft unpassierbar.
Die Hochebene von Pešter
Die höchste Hochebene des Balkans, kalt und offen, deren Ostrand bis in die Gemeinde Novi Pazar reicht.

Auf einen Blick
- Höhe
- 1.150—1.492 m; höchster Punkt Kuljarski Vrh
- Das Pešter-Feld
- Etwa 50 km² — das höchstgelegene Feld des Balkans
- Schutz
- Ramsar-Gebiet seit 1. Mai 2006, 3.455 Hektar
- Gemeinden
- Sjenica, Tutin und Novi Pazar
Eine Hochebene, die auch Novi Pazar gehört
Pešter ist eine Kalksteinhochebene im Sandžak zwischen 1.150 und 1.492 Metern; höchster Punkt ist der Kuljarski Vrh. Der größte Teil liegt in der Gemeinde Sjenica und reicht von dort nach Tutin und Novi Pazar hinein — obwohl die Fahrt in ihr Zentrum über eine Stunde dauert, gehört ein Teil formal zum Gebiet von Novi Pazar.
In ihrer Mitte liegt das Pešter-Feld, rund fünfzig Quadratkilometer Ebene — das größte Feld Serbiens und das höchstgelegene des Balkans. Seine Torfmoore und Feuchtwiesen wurden am 1. Mai 2006 auf einer Fläche von 3.455 Hektar in die Ramsar-Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung aufgenommen.
Kälte, Vögel und Käse
Pešter hält den serbischen Temperaturrekord: Am 26. Januar 2006 wurden im Dorf Karajukića Bunari −39 °C gemessen und damit die bisherigen −38,4 °C von Sjenica aus dem Jahr 1954 unterboten. Daher der Beiname „serbisches Sibirien“ — eine offene Hochebene ohne Schutz, in der sich Kaltluft sammelt.
Die Feuchtwiesen beherbergen seltene und bedrohte Pflanzen, und das Pešter-Feld ist der einzige Brutplatz der Wiesenweihe in Serbien. Die Wirtschaft ist von der Viehzucht geprägt: Von den Pešter-Schafen stammen der Sjenica-Käse, das Lamm und der Schinken, für die die Gegend weit über den Sandžak hinaus bekannt ist.
Praktische Hinweise
- Anfahrt
- Westlich von Novi Pazar, über die Straße durch Tutin Richtung Sjenica; mit dem Auto, als Tagesausflug.
- Beste Zeit
- Sommer und Frühherbst, wegen der Wiesen und der leichteren Anfahrt; die Winter sind hier die härtesten Serbiens.
Thermalbad Novi Pazar
Thermalquellen drei Kilometer von der Stadt, schon in der Antike bekannt und die ganze osmanische Zeit hindurch genutzt.

Auf einen Blick
- Quellen
- 14 Thermalmineralquellen
- Temperatur
- 15 bis 60 °C; Hauptquelle 54 °C
- Mineralisierung
- 1,7 g/l, mit Schwefel und Radon
- Entfernung
- 3 km von Novi Pazar
- Höhe
- 504 m
Wasser, das heiß austritt
Das Bad verfügt über vierzehn Thermalmineralquellen mit Temperaturen von 15 bis 60 Grad. Die Hauptquelle liefert Wasser von etwa 54 Grad — heiß genug, um als hyperthermal zu gelten — mit rund einem Liter pro Sekunde.
Das Wasser ist kohlensäurehaltig, mit etwas Schwefel und nahezu neutraler Reaktion; Stickstoff macht rund 70 Prozent des Gasanteils aus, dazu leicht erhöhte Werte von Radon, Radium und Uran. Die Gesamtmineralisierung beträgt 1,7 Gramm pro Liter.
Erst die Römer, dann die Osmanen
Die Quellen fassten zuerst die Römer, und das Bad war schon in der Antike berühmt. Nach der osmanischen Eroberung Mitte des 15. Jahrhunderts sank seine Beliebtheit, doch die Osmanen erkannten den Wert des Wassers bald: Auf den Resten des römischen Bades errichteten sie zwei Hamams und etwas abseits eine Karawanserei. Eines der Bäder ist auf das Jahr 1002 der Hidschra datiert, also 1593/94.
Zum selben hydrogeothermalen System gehört das Bad Rajčinovića mit drei warmen Quellen von 30, 38 und 42 Grad, deren Wasser bei Verdauungs- und Stoffwechselbeschwerden empfohlen wird.
Praktische Hinweise
- Anwendung
- Das Wasser wird bei rheumatischen und neurologischen Beschwerden, Haut- und Frauenleiden sowie in der Rehabilitation nach Verletzungen und Operationen eingesetzt. Bei konkreten Beschwerden einen Arzt der Einrichtung fragen.
- Anfahrt
- Drei Kilometer vom Zentrum Novi Pazars, auf 504 Metern Höhe.
Das Raška-Tal
Die Straße westlich der Stadt, die in gut zwanzig Minuten vom Hauptplatz nach Sopoćani und zu den Befestigungen von Ras führt.

Auf einen Blick
- Richtung
- Westlich der Stadt
- Was am Weg liegt
- Sopoćani (15 km) und die Befestigungen von Ras (10—11 km)
Ein Tal, tausend Jahre
Das Raška-Tal ist die dichteste historische Route der Umgebung: Auf zwanzig Straßenkilometern liegen die Befestigungen der mittelalterlichen Hauptstadt, ein Kloster mit Fresken des 13. Jahrhunderts und die Quellen des Flusses, der die ganze Region benannte. Das alles passt in einen Nachmittag.
Der Fluss, der das Tal formt, ist derselbe, der in Novi Pazar in kanalisiertem Bett am Hauptplatz vorbeifließt. Flussaufwärts wird die Landschaft offener — Wiesen, Felder und Weiler an den Hängen —, und die Straße folgt dem Wasser fast auf ganzer Länge.


Praktische Hinweise
- Vorschlag
- Stadtfestung — Befestigungen von Ras — Sopoćani, Rückweg auf gleicher Strecke; mit dem Auto ein halber Tag mit Pausen.
Aussichtspunkte über der Stadt
Novi Pazar liegt in einem Becken — von jedem umliegenden Rücken sieht man die ganze Stadt auf einmal.

Auf einen Blick
- Beste Tageszeit
- Später Nachmittag
- Höhe der Stadt
- 496 m
Von wo aus
Der zugänglichste Blick bietet sich vom Plateau der Đurđevi Stupovi nordwestlich des Zentrums: das ganze Becken und das Talgeflecht, in dem die Stadt liegt. Der Hügel der Peterskirche über der Straße nach Deževa gibt einen tieferen, aber näheren Blick auf den Altstadtkern.
Eine dritte Richtung ist die westliche, von den Hängen um Stari Ras: Von dort sieht man die Stadt aus der Ferne, als Dächerfleck am Grund des Beckens, mit der Rogozna dahinter. Man geht dorthin der Landschaft wegen, nicht wegen der Details in den Straßen.


Praktische Hinweise
- Beste Zeit
- Später Nachmittag, wenn das Licht von Westen fällt; alle Aussichtspunkte liegen frei und ohne Schatten.
Wandern in der Umgebung
Von kurzen Aufstiegen zu den Befestigungen über der Stadt bis zu Tagestouren auf der Golija.

Auf einen Blick
- Kurze Touren
- Đurđevi Stupovi, Peterskirche, Befestigungen von Ras
- Lange Touren
- Golija, bis 1.833 m
Nahe der Stadt
Die kürzesten Touren beginnen direkt in der Stadt: der Aufstieg zu den Đurđevi Stupovi, der Hügel der Peterskirche und die Hochflächen mit den Befestigungen von Ras. Alle drei sind kurz, aber steil und über unbefestigtes Gelände — griffige Schuhe und Wasser sind Pflicht.
Für einen längeren Tag geht es auf die Golija, wo man auf Waldwegen und Weiden bis über 1.800 Meter steigt. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es dort nicht: Man fährt zum Ausgangspunkt und geht von dort zu Fuß. Die Rogozna ist näher, aber gänzlich unmarkiert — dorthin besser mit jemandem, der das Gelände kennt.
Praktische Hinweise
- Ausrüstung
- Wasser, Kopfbedeckung und festes Schuhwerk; im Sommer die Mittagsstunden meiden.
Grün in der Stadt
Der Park in der Festung, die Promenade an der Raška und der Sportpark — ein Grüngürtel, den man in einer halben Stunde durchquert.

Auf einen Blick
- Festungspark
- Im Zentrum, freier Eintritt
- Am Fluss
- Promenade an der Raška
- Sportpark
- Spielfelder und Stadtbad
Ein grüner Zug durch das Zentrum
Drei grüne Punkte im Zentrum gehen ineinander über: der Park in den Festungswällen, die Promenade an der Raška und der Sportpark mit Spielfeldern und Schwimmbad. Dazwischen ist es eben — der leichteste Weg, die Stadt ohne Auto zu erkunden.
Im Zentrum fließt der Fluss in kanalisiertem Bett, begleitet von einem befestigten Weg — so gelangt man von der Festung zum Sportpark, ohne auf eine Hauptstraße zu treten. An Sommernachmittagen, wenn sich die Hitze im Becken staut, ist das zugleich der angenehmste Teil der Stadt.

