
Zwei Festungen, zwei Hauptstädte
Die Festung im Herzen der osmanischen Stadt und die Höhenburgen des serbischen Mittelalterstaates zehn Kilometer westlich.
Foto: Der Wall der Festung von Novi Pazar im Stadtzentrum
Die Befestigungen zeugen von der strategischen Bedeutung dieser Gegend — vom mittelalterlichen Serbien bis zum Osmanischen Reich.
Festung von Novi Pazar
Eine Festung mitten in der Stadt, heute ein öffentlicher Park innerhalb der Wälle, mit dem Wachturm als Wahrzeichen von Novi Pazar.

Auf einen Blick
- Stadtgründung
- 1461 durch Isa-beg Ishaković
- Grundriss
- Drei Basteien in einem nahezu gleichseitigen Dreieck, Seiten rund 200 m
- Wachturm
- Achteckiger Grundriss, etwa 15 m hoch
- Schutz
- Kulturgut seit 1990, zusammen mit dem alten Basar und dem Altun-Alem-Komplex
- Heute
- Öffentlicher Park im Stadtzentrum
Eine Stadt um ihren Markt
Novi Pazar wurde 1461 vom osmanischen Feldherrn Isa-beg Ishaković gegründet, der die neue Siedlung mit Moschee, Bad, Marktplatz und Herberge ausstattete. Der Name der Stadt — „neuer Markt“ — nennt ihren Zweck: Handel an der Straße zwischen Dubrovnik und Konstantinopel.
Die Festung war der Stützpunkt dieser Siedlung. Sie steht auf einer flachen Anhöhe am rechten Ufer der Raška, dicht am Basar — die Einwohner nennen sie bis heute schlicht Bedem, „der Wall“. Was man durchschreitet, ist kein Bauwerk aus einem einzigen Jahrhundert, sondern Schicht um Schicht: ein osmanischer Kern des 15. Jahrhunderts und Wälle, die in ihrer heutigen Gestalt größtenteils im 19. Jahrhundert erneuert wurden.
Ein Dreieck mit drei Basteien
Die Anlage bildet ein nahezu gleichseitiges Dreieck: drei Eckbasteien mit Seiten von etwa zweihundert Metern, verbunden durch einen steinernen Wall. Die Ecktürme werden auf 1750 datiert. Der Rundgang ist entsprechend kurz — der ganze Umfang ist in wenigen Minuten abgeschritten —, doch vom Wall aus wird deutlich, warum die Festung gerade hier steht: Unter ihr liegen die Zugänge zum Basar und die Flussübergänge.
Der Wachturm
Der Wachturm — auch Sejir-Kula oder Alte Warte genannt — hat einen achteckigen Grundriss und ist etwa fünfzehn Meter hoch. Er ist heute die markanteste Silhouette der Stadt: Turm und Basteien bilden das zentrale Motiv des Wappens von Novi Pazar.
Ein Park in den Mauern
Das Innere ist als Park angelegt und frei begehbar; innerhalb der Wälle steht auch die Stadtbibliothek. 1990 wurde die Festung als Kulturgut unter Schutz gestellt, als Teil eines räumlichen kulturhistorischen Ensembles mit dem alten Basar und dem Komplex um die Altun-Alem-Moschee. Sie ist der bequemste Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang: Basar, Moschee und die Ufer der Raška liegen wenige Gehminuten entfernt.




Praktische Hinweise
- Eintritt
- Der Park innerhalb der Wälle ist frei zugänglich.
- Lage
- Im Zentrum von Novi Pazar an der Raška — zu Fuß vom Hauptplatz erreichbar.
Stari Ras
Der befestigte Kern des serbischen mittelalterlichen Staates, heute eine archäologische Stätte auf den Hügeln westlich von Novi Pazar.

Auf einen Blick
- Hauptstadt
- Etwa 1170—1276
- Befestigungen
- Gradina-Pazarište und Gradina-Postenje
- Frühere Festung
- Das römische Kastell Arsa, im 6. Jahrhundert erneuert
- Entfernung
- 10—11 km westlich von Novi Pazar
- Status
- UNESCO-Welterbe seit 1979
Vor den Nemanjiden: Arsa
Die Hügel über dem Tal waren seit der Vorgeschichte und durch die römische Zeit hindurch besiedelt. Im 6. Jahrhundert erneuerte der byzantinische Kaiser Justinian I. (527—565) das römische Kastell Arsa, doch beide Höhenburgen wurden zu Beginn des 7. Jahrhunderts während der awarischen und slawischen Einfälle beschädigt und aufgegeben.
Die verschwundene Hauptstadt
Ras war das befestigte Zentrum des serbischen Staates während des Aufstiegs der Nemanjiden, etwa von 1170 bis 1276. Die Verteidigung stützte sich auf zwei Hauptburgen — Gradina-Pazarište und Gradina-Postenje —, die höchstwahrscheinlich ein einheitliches System bildeten; nach den Funden lag die mittelalterliche Stadt Ras auf Postenje. In den 1230er Jahren arbeitete hier eine serbische Münzstätte.
Die endgültige Verwüstung erfolgte zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter König Milutin (1282—1321). Unterhalb der Burgen entstand im 14. Jahrhundert die Marktsiedlung Trgovište, die heute den dritten Teil des archäologischen Komplexes bildet. Novi Pazar ist keine Fortsetzung von Ras: Die Stadt wurde später, in osmanischer Zeit, einige Kilometer östlich gegründet.
Was heute zu sehen ist
Erhalten sind die Fundamente von Wällen, Türmen und Zisternen auf den Hochflächen über dem Tal. Die Stätte ist nicht als Museum angelegt: Es gibt keine überdachten Wege und keine Dauerausstellung — der Aufstieg über offenes Gelände gehört zum Besuch. Stari Ras wurde 1979 gemeinsam mit Sopoćani in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen.

Praktische Hinweise
- Gelände
- Unbefestigte Pfade und ein Aufstieg; Wanderschuhe und Wasser sind nötig, besonders im Sommer.
- Führung
- Ohne Erläuterung sind die Reste schwer zu deuten — Führungen vermittelt die Tourismusorganisation Novi Pazar.